Und die Sau wird weiter getrieben…

War ja nicht weiter überraschend. In trauter Einhelligkeit fordern Politiker von SPD und Grüne schärfere Waffengesetze, während die Christdemokraten und -sozialen ein Verbot der so genannten „Killerspiele“ fordern. Nichts neues also…

War ja nicht weiter überraschend. In trauter Einhelligkeit fordern Politiker von SPD und Grüne schärfere Waffengesetze, während die Christdemokraten und -sozialen ein Verbot der so genannten „Killerspiele“ fordern. Nichts Neues also…

An dieser Stelle will ich mich auch gar nicht darüber aufregen. Was ich von der Killerspiel-Debatte halte, habe ich an anderer Stelle schon ausgeführt. Meine Meinung hat sich in der ganzen Zeit ebensowenig geändert, wie die Forderungen der CDU oder CSU.

Was ich zur Zeit fassungslos beobachte, ist die mediale Sau, die wieder einmal durchs Dorf getrieben wird und dem Amoklauf wieder einmal mehr Aufmerksamkeit verleiht, als gut ist. Ja! Freie Berichterstattung ist wichtig. Ja! Die Freiheit der Presse gilt es unter allen Umständen zu schützen. Aber ich frage mich: Ist es wirklich notwendig diese Tragödie in allen kleinen, tragischen, schmutzigen, und unwesentlichen Details breit zu treten? Heißt Freiheit der Presse, dass sie alles machen darf, was sie machen kann? Wäre es nicht nobler und letztlich fairer – allen Beteiligten gegenüber – würde man sich in Zurückhaltung üben? Wer genau hat denn etwas von der Information über Alter, Namen und der Familie des Täters? Was bringt die Spekulation über Motive, wenn sie denn eh nur darin mündet, dass einzelne Wichtigtuer laut völlig unnütze Forderungen stellen. Im Endeffekt produziert es nur den (heutzutage virtuellen) Lynchmob, der, angeführt von den Medien, die Familie des Täters zu Flucht treibt. Zum untertauchen, als wären Sie die Verbrecher. Welchen Informationsgehalt hat, was (angebliche) Freunde und Bekannte über jemanden berichten, den sie kaum kannten?

Und muss man wirklich ein Video veröffentlichen, das zeigt, wie der Amokläufer, ein 17-Jähriger Junge, sich selbst richtet? Ist das noch Information? Oder ist es nicht eher die Befriedigung der eigenen Blutgier und Sensationslust? Das, mehr als alles andere, verursacht bei mir die Fassungslosigkeit. Das die eigentlichen Opfer entsprechend nur als Zahl in einer Statistik auftauchen und am Rande erwähnt werden, passt da wunderbar ins Bild. Da hilft auch kein Hinweis Pressekodex. Denn der lässt sich nicht selektiv auslegen und bezieht sowohl auf Opfer als auch Täter.

Was die Medien mit ihrer „Berichterstattung“ anrichten, nehmen sie billigend in Kauf: Sie erheben einen Massenmörder zum Superstar.  Andererseits heucheln sie dann aber Empörung, wenn er denn tatsächlich entsprechend gefeiert wird. Das sie damit auch Trittbrettfahrer motivieren, die, wie in Freiburg und Heilbronn geschehen, eine Scheibe vom „Ruhm“ für sich abhaben wollen, will ich gar nicht weiter ausführen.

Zuletzt wird es wieder so laufen: Die Aufregung um Winnenden wird abebben. Das Interesse seitens Politik, Medien und Konsumenten wird sich erschöpfen, sobald alles, aber auch wirklich alles, zum Thema gesagt wurde. Dieses Mal inklusive des „Live-Videos“ der letzten Minuten von Tim K., welches in den Medien wieder und wieder kolportiert wurde. Letztlich wird Winnenden in einem Atemzug mit Littleton, Erfurt, Emsdetten und allen anderen „Amok-Orten“ genannt. Die Geschichte selbst aber, die ist dann „durch“ und weicht der Nächsten.

Beate Merk, Bayerns Justizministerin, fragt sich, wofür „wir diesen menschenverachtenden Schund“ brauchen und meint Videospiele. Ich  stelle mir dieselbe Frage – allerdings in Bezug auf die Berichterstattung.